Logo der Neurologischen Klinik Westend    Neurologische Klinik Westend    Neurologische Klinik Westend

 Dr.-Born-Straße 9, 34537 Bad Wildungen, Tel: 0 5621 - 794 - 0, Fax 0 5621 - 794 - 999

Informationen zu Krankheiten
Weitere Medizinische Informationen und Links - speziell auch von
der Klinik am Osterbach -
finden sie hier

SCHLAGANFALL

Schlaganfall und seine Rehabilitation

Jährlich erkranken ca. 300.000 Menschen an einem Schlaganfall. Mehr als 80% der Erkrankten sind über 65 Jahre; 10 % sind unter 45 Jahre alt. 

Bei den Schlaganfall -Patienten verstirbt jeder fünfte in den ersten 30 Tagen. Schlaganfall steht an dritter Stelle der häufigsten Erkrankungen mit Todesfolge. Von den Überlebenden können nur ca. 20% wieder so leben wie vor ihrem Schlaganfall. Ein Drittel der Betroffenen bleiben behindert oder pflegebedürftig. 16% werden in Pflegeheimen betreut. Zu den Schlaganfall-Patienten kommen noch jährlich ca. 300.000 Menschen, die ein Schädel-Hirntrauma erleiden. 

Hinzu kommen noch die Patienten mit hypoxischen Schädigungen (Schädigungen durch Sauerstoffmangel) nach Reanimation und nehmen einen großen Anteil der Patienten mit erworbenen Hirnschädigungen ein.

Der größte Anteil der Betroffenen mit erworbenen Hirnschädigungen werden im häuslichen Bereich von Angehörigen und Ambulanten Pflegediensten versorgt.    

Ursachen des Schlaganfall

Schlaganfall ist umgangssprachlich ein Überbegriff, hierunter ist gemeint ein Hirninfarkt oder eine Hirnblutung. Ursache bei einem Hirninfarkt ist ein Thrombus, der zu einer hochgradigen Einengung hirnversorgender Gefäße führt. Es wird auch von einem ischämischen Insult oder einer zerebralen Ischämie gesprochen. Durch die Unterversorgung mit Sauerstoff und Glucose werden die Hirnzellen in diesem Gebiet  meist irreversibel, d.h. ohne Rückbildungschancen geschädigt. Reversibel, d.h. erholungsfähig beschädigte Hirnzellen befinden sich aber in der Umgebung des Infarktgebietes.

Bei den Hirnblutungen kommt es zum Reißen oder Platzen eines Gefäßes. 

Ursache ist häufig eine chronische arterielle Hypertonie (Bluthochdruck), die Gefäße sind geschädigt,  verlieren ihre Elastizität und neigen zum Reißen.

Arteriovenöse Missbildungen (Gefäßtumor) oder angeborene Gefäßwandaussackungen, Aneurysmen, sind weitere Ursachen einer Hirnblutung.

Die Symptomatik  aller erworbenen Hirnschädigungen zeigt sich meistens mit Lähmungen einer oder beider Körperhälften, Schluckstörungen, Störungen der Sprache, des Sehens und den neuropsychologischen Störungen wie im Bereich der eigenen Wahrnehmung der Erkrankung, des Handelns (z.B. sich selbst nicht mehr waschen oder anziehen können), der Aufmerksamkeit oder der Konzentration. 

Akutbehandlung des Schlaganfall

Die Akutbehandlung der Patienten mit Schlaganfall ist in den letzten Jahren zwar immer adäquater und schneller geworden, Möglichkeiten hierzu sind aber immer noch nicht  flächendeckend in der Bundesrepublik vorhanden. In vielen Kliniken sind sogenannte  „Stroke unit“ (übersetzt: Schlaganfall Einheiten) entstanden, die eine möglichst schnelle und frühe Diagnostizierung und Behandlung gewährleisten. Je schneller eine Behandlung eingeleitet wird, desto geringer sind die Hirnschädigungen, d.h. ein zugrunde gehen von zu vielen Nervenzellen wird verhindert.

Liegt eine Hirnblutung vor, werden die Patienten in den meisten Fällen in die Neuro- Chirurgie weiterverlegt und operativ versorgt. Im Gegensatz dazu muss bei einer Ischämie eine konservative Behandlung eingeleitet werden, um das im Infarktgebiet entstehendes Hirnödem (Penumbra) so gering wie möglich zu halten. Dies erfolgt häufig über eine Lyse, die die Auflösung des Thrombus begünstigt und somit schnellst möglichst einen Durchfluss des betroffenen Gefäßes gewährleistet. Eine weitere Maßnahme besteht darin, den erhöhten Blutdruck zu behandeln und die Elektrolyt- und Glucoseverschiebung wieder zu regulieren.  

Rehabilitationsbehandlung bei Schlaganfall

Je nach Schnelligkeit der Akutbehandlung, der Lokalisation und Größe der betroffenen Gefäße entwickelt sich bei einigen Patienten nach Tagen eine Spontanremission der Symptomatik und die Patienten können mit vielleicht noch einer bleibenden Schwäche der betroffen Körperhälfte das Krankenhaus verlassen. Wie aber eingangs erwähnt bleiben jährlich ca. ein drittel d.h. ca. 100.000 der betroffenen Patienten behindert oder pflegebedürftig.  

Viele betroffene Schlaganfall -Patienten werden nach der Akutbehandlung in neurologische Frührehabilitationskliniken verlegt und dort interdisziplinär therapeutisch behandelt. Ziel in der Rehabilitation nach Schlaganfall ist hierbei nach der Schockphase (nichts ist mehr für den Patienten, wie es vorher war) Potential zu erkennen und zu fördern, damit eine größtmögliche Selbständigkeit mit der Behinderung erreicht werden kann. Dabei ist aber nicht das Ziel, mit allen Mitteln diese Selbständigkeit zu erreichen. Dies würde unter Umständen bedeuten, dass die Muskulatur der gelähmten Seite der Patienten sehr fest würde. Dies ist als sogenannte „Spastizität“ bekannt, eine noch geringere Bewegungsmöglichkeit wäre die Folge. 

Im Umgang mit den Patienten ist es  wichtig Bewegungsmöglichkeiten zu erkennen, diese zu nutzen und bei den Bewegungsabläufen beide Körperseiten mit einzubeziehen. Normale Bewegung bedeutet immer, dass ein harmonisches Zusammenspiel zwischen einzelnen Muskelgruppen und beiden Körperhälften statt findet.

Gerade im pflegerischen Alltag bieten sich sehr viele Möglichkeiten der adäquaten Unterstützung für den Patienten. So sind zum Beispiel jedes Umlagern, jedes auf die Bettkante setzen, Unterstützen oder Durchführen der Körperpflege, Ankleiden usw. Bewegungsabläufe, über die die Patienten Bewegung erfahren und mit dem täglichen Wiederholen selbständiger werden lassen.

Lernfähigkeit des Zentralen Nervensystems (Plastizität) nach einem Schlaganfall

Neurophysiologisch gesehen sind die Nervenzellen im direkten Läsionsgebiet dauerhaft geschädigt und dort gespeicherte Informationen sind für den Patienten nicht mehr verfügbar. Das um das Läsionsgebiet entstandene Ödem bildet sich aber nach einigen Tagen bis Wochen nach dem Akutgeschehen wieder zurück und die kurz geschädigten Nervenzellen erholen sich. Der Informationsfluss über diese Nervenzellen ist zum Teil wieder gewährleistet. Das heißt aber, dass nur ein kleiner Anteil der vorher gespeicherten Informationen wieder verfügbar ist. Für den Patienten bedeutet das, alltägliche Handlungen (wie z.B. Aufstehen aus dem Bett oder sein Frühstück selber zu zubereiten) zum Teil wieder neu zu lernen oder über Wiederholen der Bewegung wieder an „Altes Bekanntes“ anzuknüpfen.  Die Chance der Rehabilitation ist die Fähigkeit des Nervensystems ein Leben lang zu lernen. 

Die Nervenzellen  haben verschiedene Erholungsstrategien, so dass sich das ZNS wieder Re-Organisieren kann. Das Gehirn eines Menschen hat ca. 10 Milliarden Nervenzellen, die Vernetzung untereinander ist unvorstellbar groß und mit ihren Mitteln nicht voll ausgenutzt. So besteht bei einer zentralen akuten Schädigung immer noch die Möglichkeit zur Neuverknüpfungen von Nervenzellen.

Neulernen wird am meisten über Bewegung erfahren.

Es ist bekannt, das ein Mensch

ca. 10% über Sehen

ca. 20% über Hören und Sehen

ca. 50% über Fühlen, Hören und Sehen

ca. 80% über Tun (Handeln)

lernt.

Das Nervensystem ist so angelegt, dass jede Information aufgenommen wird. Über das ständige Tun oder Handeln findet zwischen Muskel und Nerv ein ständiger Austausch statt, sie brauchen sich gegenseitig. Einerseits beeinflusst das zentrales Nervensystem die Muskelaktion, andererseits liefern die Muskelbewegungen die zur Abspeicherung neuer Bewegungsabläufe nötigen Informationen für das zentrale Nervensystem. Je öfter Bewegungen abgespeichert werden, desto eher kann automatisch darauf zugegriffen werden.

So ist es für einen Patienten mit einem Schlaganfall wichtig, im Alltag ein sinnvolles Angebot zu machen, wie er zum Beispiel auf die Bettkante kommen kann, ohne sich mit der nicht gelähmten Seite ziehen zu müssen.

Der Patient braucht in der Anfangsphase im Alltag professionelle Unterstützung. Als Interdisziplinäres Konzept bietet sich das Bobath-Konzept hierfür an. Gut geschultes Personal aus allen Abteilungen bieten dem Patienten Hilfe zur Erreichung von einer größtmöglichen Selbständigkeit.

Birgit Dammshäuser
Fachkrankenschwester für Rehabilitation, Pflegeinstruktorin Bobath(BIKA)
Stellv. Pflegedienstleitung

Animationen animierte Augen

Weitere Medizinische Informationen und Links für Patienten und Interessierte -
finden Sie hier.

Zur Klärung weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten steht Ihnen unser Chefarzt im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte vereinbaren Sie zuvor einen Termin in unserer Privatambulanz.

Sagen Sie uns ruhig mal Ihre Meinung!
Oder stellen Sie Ihre Fragen -
klicken Sie uns hier an...

Sie möchten diesen Artikel ausdrucken? Markieren Sie den Text, gehen Sie in der Symbolleiste auf "Datei", dann auf "Drucken", danach "Markierung" anklicken und dann erst drucken, denn sonst verlieren Sie durch die nachfolgende Themenübersicht unnötiges Papier.

Aktualisiert: Juni 2010

Weitere Informationen zu Krankheiten finden Sie bei der Wicker-Gruppe unter www.informationen-zu-krankheiten.de. Info-Material zur Klinik anfordern: www.wicker-gruppe.de/infomaterial-anfordern.html

Weitere Fragen? Ihre Meinung?
Schicken Sie uns eine e-mail

info@neurologische-klinik-westend.de

Neurologische Klinik Westend
Dr.-Born-Straße 9
34537 Bad Wildungen

Telefon (0 56 21) 794 - 0, Telefax (0 56 21) 794 - 999

· Anfahrt · Impressum

Kostenfreies Service-Telefon 0800 / 7 42 40 10

 

Haftungshinweis:
Für die gemachten Angaben wird keine Gewähr übernommen; im Einzelfall ist immer ein Arzt zu konsultieren! Trotz sorgfältiger inhaltlicher Kontrolle übernehmen wir keine Haftung für die Inhalte externer Links. Für den Inhalt der verlinkten Seiten sind ausschließlich deren Betreiber verantwortlich.