SCHLAGANFALL Schlaganfall und seine Rehabilitation Jährlich
erkranken ca. 300.000 Menschen an einem Schlaganfall. Mehr als 80% der
Erkrankten sind über 65 Jahre; 10 % sind unter 45 Jahre alt.
Bei den Schlaganfall -Patienten verstirbt jeder fünfte in den ersten 30 Tagen. Schlaganfall steht an dritter Stelle der häufigsten Erkrankungen mit Todesfolge. Von den Überlebenden können nur ca. 20% wieder so leben wie vor ihrem Schlaganfall. Ein Drittel der Betroffenen bleiben behindert oder pflegebedürftig. 16% werden in Pflegeheimen betreut. Zu den Schlaganfall-Patienten kommen noch jährlich ca. 300.000 Menschen, die ein Schädel-Hirntrauma erleiden. Hinzu kommen noch die Patienten mit hypoxischen Schädigungen (Schädigungen durch Sauerstoffmangel) nach Reanimation und nehmen einen großen Anteil der Patienten mit erworbenen Hirnschädigungen ein. Der größte Anteil der Betroffenen
mit erworbenen Hirnschädigungen werden im häuslichen Bereich von Angehörigen
und Ambulanten Pflegediensten versorgt. Ursachen des SchlaganfallSchlaganfall ist umgangssprachlich ein Überbegriff, hierunter ist gemeint ein Hirninfarkt oder eine Hirnblutung. Ursache bei einem Hirninfarkt ist ein Thrombus, der zu einer hochgradigen Einengung hirnversorgender Gefäße führt. Es wird auch von einem ischämischen Insult oder einer zerebralen Ischämie gesprochen. Durch die Unterversorgung mit Sauerstoff und Glucose werden die Hirnzellen in diesem Gebiet meist irreversibel, d.h. ohne Rückbildungschancen geschädigt. Reversibel, d.h. erholungsfähig beschädigte Hirnzellen befinden sich aber in der Umgebung des Infarktgebietes. Bei den
Hirnblutungen kommt es zum Reißen oder Platzen eines Gefäßes.
Ursache
ist häufig eine chronische arterielle Hypertonie (Bluthochdruck), die Gefäße
sind geschädigt, verlieren ihre
Elastizität und neigen zum Reißen. Arteriovenöse Missbildungen (Gefäßtumor) oder angeborene Gefäßwandaussackungen, Aneurysmen, sind weitere Ursachen einer Hirnblutung. Die Symptomatik aller erworbenen Hirnschädigungen zeigt sich meistens mit Lähmungen einer oder beider Körperhälften, Schluckstörungen, Störungen der Sprache, des Sehens und den neuropsychologischen Störungen wie im Bereich der eigenen Wahrnehmung der Erkrankung, des Handelns (z.B. sich selbst nicht mehr waschen oder anziehen können), der Aufmerksamkeit oder der Konzentration. Akutbehandlung des SchlaganfallDie
Akutbehandlung der Patienten mit Schlaganfall ist in den letzten Jahren zwar
immer adäquater und schneller geworden, Möglichkeiten hierzu sind aber immer
noch nicht flächendeckend in der
Bundesrepublik vorhanden. In vielen Kliniken sind sogenannte
„Stroke unit“ (übersetzt: Schlaganfall Einheiten) entstanden, die
eine möglichst schnelle und frühe Diagnostizierung und Behandlung gewährleisten.
Je schneller eine Behandlung eingeleitet wird, desto geringer sind die Hirnschädigungen,
d.h. ein zugrunde gehen von zu vielen Nervenzellen wird verhindert. Liegt eine Hirnblutung vor,
werden die Patienten in den meisten Fällen in die Neuro- Chirurgie
weiterverlegt und operativ versorgt. Im Gegensatz dazu muss bei einer Ischämie
eine konservative Behandlung eingeleitet werden, um das im Infarktgebiet
entstehendes Hirnödem (Penumbra) so
gering wie möglich zu halten. Dies erfolgt häufig über eine Lyse, die die
Auflösung des Thrombus begünstigt und somit schnellst möglichst einen
Durchfluss des betroffenen Gefäßes gewährleistet. Eine weitere Maßnahme
besteht darin, den erhöhten Blutdruck zu behandeln und die Elektrolyt- und
Glucoseverschiebung wieder zu regulieren. Rehabilitationsbehandlung bei SchlaganfallJe nach Schnelligkeit der Akutbehandlung, der Lokalisation und Größe der betroffenen Gefäße entwickelt sich bei einigen Patienten nach Tagen eine Spontanremission der Symptomatik und die Patienten können mit vielleicht noch einer bleibenden Schwäche der betroffen Körperhälfte das Krankenhaus verlassen. Wie aber eingangs erwähnt bleiben jährlich ca. ein drittel d.h. ca. 100.000 der betroffenen Patienten behindert oder pflegebedürftig. Viele
betroffene Schlaganfall -Patienten werden nach der Akutbehandlung in
neurologische Frührehabilitationskliniken verlegt und dort interdisziplinär
therapeutisch behandelt. Ziel in der Rehabilitation nach Schlaganfall ist
hierbei nach der Schockphase (nichts ist mehr für den Patienten, wie es vorher
war) Potential zu erkennen und zu fördern,
damit eine größtmögliche Selbständigkeit mit der Behinderung erreicht werden
kann. Dabei ist aber nicht das Ziel, mit
allen Mitteln diese Selbständigkeit zu erreichen.
Dies würde unter Umständen bedeuten, dass die Muskulatur der gelähmten
Seite der Patienten sehr fest würde. Dies ist als sogenannte „Spastizität“
bekannt, eine noch geringere Bewegungsmöglichkeit wäre die Folge.
Im Umgang
mit den Patienten ist es wichtig
Bewegungsmöglichkeiten zu erkennen, diese zu nutzen und bei den Bewegungsabläufen
beide Körperseiten mit einzubeziehen. Normale
Bewegung bedeutet immer, dass ein harmonisches Zusammenspiel zwischen einzelnen
Muskelgruppen und beiden Körperhälften statt findet. Gerade im pflegerischen Alltag bieten sich sehr viele Möglichkeiten der adäquaten Unterstützung für den Patienten. So sind zum Beispiel jedes Umlagern, jedes auf die Bettkante setzen, Unterstützen oder Durchführen der Körperpflege, Ankleiden usw. Bewegungsabläufe, über die die Patienten Bewegung erfahren und mit dem täglichen Wiederholen selbständiger werden lassen. Lernfähigkeit des Zentralen Nervensystems (Plastizität) nach einem Schlaganfall Neurophysiologisch gesehen sind die Nervenzellen im direkten Läsionsgebiet dauerhaft geschädigt und dort gespeicherte Informationen sind für den Patienten nicht mehr verfügbar. Das um das Läsionsgebiet entstandene Ödem bildet sich aber nach einigen Tagen bis Wochen nach dem Akutgeschehen wieder zurück und die kurz geschädigten Nervenzellen erholen sich. Der Informationsfluss über diese Nervenzellen ist zum Teil wieder gewährleistet. Das heißt aber, dass nur ein kleiner Anteil der vorher gespeicherten Informationen wieder verfügbar ist. Für den Patienten bedeutet das, alltägliche Handlungen (wie z.B. Aufstehen aus dem Bett oder sein Frühstück selber zu zubereiten) zum Teil wieder neu zu lernen oder über Wiederholen der Bewegung wieder an „Altes Bekanntes“ anzuknüpfen. Die Chance der Rehabilitation ist die Fähigkeit des Nervensystems ein Leben lang zu lernen. Die Nervenzellen haben verschiedene Erholungsstrategien, so dass sich das ZNS wieder Re-Organisieren kann. Das Gehirn eines Menschen hat ca. 10 Milliarden Nervenzellen, die Vernetzung untereinander ist unvorstellbar groß und mit ihren Mitteln nicht voll ausgenutzt. So besteht bei einer zentralen akuten Schädigung immer noch die Möglichkeit zur Neuverknüpfungen von Nervenzellen. Neulernen wird am meisten über Bewegung erfahren. Es ist bekannt, das ein Mensch ca. 10% über Sehen ca. 20% über Hören und Sehen ca. 50% über Fühlen, Hören und Sehen ca. 80% über Tun (Handeln) lernt. Das Nervensystem ist so angelegt, dass jede Information aufgenommen wird. Über das ständige Tun oder Handeln findet zwischen Muskel und Nerv ein ständiger Austausch statt, sie brauchen sich gegenseitig. Einerseits beeinflusst das zentrales Nervensystem die Muskelaktion, andererseits liefern die Muskelbewegungen die zur Abspeicherung neuer Bewegungsabläufe nötigen Informationen für das zentrale Nervensystem. Je öfter Bewegungen abgespeichert werden, desto eher kann automatisch darauf zugegriffen werden. So ist es für einen Patienten mit einem Schlaganfall wichtig, im Alltag ein sinnvolles Angebot zu machen, wie er zum Beispiel auf die Bettkante kommen kann, ohne sich mit der nicht gelähmten Seite ziehen zu müssen. Der Patient braucht in der
Anfangsphase im Alltag professionelle Unterstützung. Als Interdisziplinäres
Konzept bietet sich das
Birgit Dammshäuser
Fachkrankenschwester für
Rehabilitation, Pflegeinstruktorin Bobath(BIKA)
Stellv. Pflegedienstleitung
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